Unsere Herz Jesu Kirche

 

Im Protokoll der Gemeindevertretung der Pfarrei St. Joseph zu Mülheim-Styrum heißt es unter Punkt 1) der Tagesordnung in einer Sitzung am 24. August 1888:

„Errichtung einer Nebenkirche im Saal des Kath. Vereinshauses zu Oberhausen“.

 

Ferner ist zu lesen, dass dieser Antrag einstimmig, unter Zugrundelegung der schriftlichen Erklärung vom 30. Juli d.J. von Herrn Rektor Savels (damals Rektoratspfarrer in Styrum), genehmigt wurde. Das Ganze, früher im Brahm`sche Besitztum zu Oberhausen am Altmarkt gelegen, geht in die Hände der Kirchengemeinde nebst der darauf lastenden Schulden über unter der Bedingung, dass der Muttergemeinde aus dieser Übernahme keinerlei Kosten und Pflichten erwachsen. Die Übergabe erfolgt ausdrücklich nur für die Filialgemeinde Styrum, damit darauf eine Nebenkirche resp. Filialkirche der künftigen Pfarrei Styrum in Oberhausen errichtet wird.

Die große Seelenzahl in dem zur Filiale Styrum und zur Pfarrei Mülheim/Ruhr gehörenden Teile der Stadt Oberhausen ließ es wünschenswert erscheinen, für diesen Bezirk eine besondere Kirchengemeinde zu bilden. Der damalige Rektor der Filialgemeinde Styrum-Oberhausen, Herr August Savels, kaufte im Einverständnis mit der kirchlichen Behörde die am Altmarkt in Oberhausen gelegene sogenannte Imbrahm’sche Besitzung, bestehend aus Wirtschaftsgebäuden und einem großen Saal, sowie das hinter dieser Besitzung liegende Grundstück von den Erben Wilh. Stöckmann. Das gesamte Objekt schenkte der kurz danach zum Pfarrer in Köln ernannte Rektor der Mutterpfarre Mülheim/Ruhr mit der Bestimmung, dass der Saal zu einer Notkirche eingerichtet werde. Die kirchlichen Verwaltungsorgane der Pfarrei Mülheim akzeptierten die Schenkung unter der Bedingung, dass der Muttergemeinde aus dieser Übernahme keinerlei Kosten und Pflichten erwachsen. Die notarielle Schenkungsurkunde wurde am 8. Februar 1889 vollzogen. Die kirchliche Genehmigung erfolgte am 28. Februar 1889. Der allerhöchste Erlass bezüglich der Genehmigung der Schenkung ist auf den 11. November 1889 datiert und die landesherrliche Erlaubnis zur Einrichtung einer Notkirche auf den 7. Dezember 1889.

Ein „Bauverein am Altmarkt in Oberhausen“ wurde unter Zustimmung des Erzbischöflichen Generalvikariats für den Umbau des Saales zu einer Notkirche gegründet, der vom Kirchenvorstand der Pfarrei Mülheim a.d.Ruhr am 27 Februar 1889 zum Umbau bevollmächtigt wurde.

 

Notkirche Herz Jesu

 

Obgleich das Bauprojekt auf Anregung der Erzbischöflichen Behörde entstanden war, konnte der neue Rektor der Filialkirche Styrum-Oberhausen sich mit dem Projekt nicht anfreunden und es kam zu bedauernswerten Misshelligkeiten. Der Bauverein setzte jedoch seine Aktivitäten weiter fort, so dass bereits am 3. Oktober 1889 die Weihe der dem göttlichen Herzen Jesu geweihten Notkirche durch den damaligen Pfarrer Heinrich Wolters von Mülheim erfolgen konnte. Am 13. Oktober desselben Jahres wurde die bisherige Filialgemeinde Styrum-Oberhausen kirchlich zur selbständigen Pfarrei erhoben und der damalige Rektor Michael Heyden zum Pfarrverwalter ernannt. Die neugebildete Herz Jesu Gemeinde wurde nun Filiale von Styrum. Zum Rektor wurde August Hortmanns ernannt und am 26. Oktober 1889 eingeführt.

 

Da die Kirche nur mit dem Notwendigsten ausgestattet war, mussten die fehlenden Gegenstände und Einrichtungen von anderen Gemeinden und vom Bistum Köln erbettelt, beziehungsweise gekauft werden. Nachdem die Kirche auch noch ausgemalt war, ist nach kurzer Zeit ein würdiges Gotteshaus entstanden.

Die Seelenzahl der Rektoratsgemeinde Herz Jesu war inzwischen auf ca. 8.000 gewachsen, so dass am 21. April 1890 Herr Lambert Vosdellen als Vikar ernannt wurde.

 

Der Bauverein versuchte nun die Pfarrerhebung der Herz Jesu Gemeinde, deren Bedürfnis das Generalvikariat bereits mit einem Schreiben vom 18. Januar 1890 anerkannt hatte, zu erreichen. Der Hauptgegner war jedoch der Pfarrverwalter Heyden aus Styrum. Obgleich Heyden versetzt wurde, wurde von seinem Nachfolger ein neuer Antrag auf Selbständigkeit einstimmig abgelehnt. Der Bauverein gab sein Bemühen nach Selbständigkeit jedoch nicht auf, so dass mit Hilfe des Generalvikars Kleinheidt Erzbischof Philippus am 20. August 1892 die Pfarrerhebung

 

der Herz Jesu Gemeinde aussprach. Es war doch überraschend, dass ein Bischof gegen den einstimmigen Willen des zuständigen Pfarrers und seiner Gremien ein Rektorat zur Pfarrei erhob. Die staatliche Bestätigung erfolgte am 20. November und die kirchliche Veröffentlichung am

18. Dezember 1892. Gleichzeitig wurde Rektor Hortmanns zum Pfarrer ernannt.

Um die Jahrhundertwende war die Seelenzahl der Pfarrei auf nahezu 12.600 angewachsen und man machte sich erste Gedanken zum Bau einer neuen Kirche. Im Januar 1904 beschloss der Kirchenvorstand endgültig den Neubau der Pfarrkirche auf dem Gelände der derzeitigen Notkirche. 1906 wurde wegen weiterer Zunahme der Katholiken der östliche Teil abgetrennt und zur Pfarrei St. Johannes erhoben. 1907 wurde der Beschluss von 1904 noch einmal heftig diskutiert und bestätigt. Nach  weiteren Debatten um den Standort und das notwendige Geld wurde 1909 mit dem Bau der Herz Jesu Kirche begonnen. Auf Wunsch des damaligen Kardinals Fischer wurde die Kirche im neugotischen Stil nach den Plänen des in jener Zeit bekannten Kirchbaumeister H. Wielers aus Bochum erbaut. Am 29. Oktober 1909 legte Kardinal Fischer den Grundstein. Während der Bauzeit fanden die Gottesdienste in einer Kapelle im Garten des Kolpinghauses statt.

 

Nach zweijähriger Bauzeit konnte der damalige Pfarrer Jacquorie am

30. April 1911 die Kirche mit den Maßen 62,50 m lang, 30,60,m breit und 16 m tief einweihen. Die Höhe im Mittelschiff betrug 19 m und in den Seitenschiffen 15,50 m. Der Turm hatte eine Höhe von 75 m.

Am 16. Juli 1912 wurde die neue Pfarrkirche durch Weihbischof Dr. Müller aus Köln feierlich konsekriert

 

Die Glocken, in Gescher gegossen, wurden am 20. Mai 1912 eingeweiht aber während des 1. Weltkrieges vom Staat beschlagnahmt, die Bronze eingeschmolzen und für Rüstungsmaterial verwendet.

 

Die Herz Jesu Kirche um 1912

Am 13. Dezember 1916 beschloss der Kirchenvorstand eine neue Orgel anzuschaffen, die bei der Fa. Seifert in Auftrag gegeben wurde und Ende 1919 bis Februar 1920 eingebaut wurde. 1918 wurden wieder in Gescher sechs neue Glocken bestellt. Im Jahr 1920 war die Zahl der Katholiken in der Herz Jesu Pfarrei so stark angestiegen, dass ein weiterer Teil westlich des Pfarrbezirks abgetrennt und zur Pfarrei St. Peter erhoben wurde. 1925, als Dr. Wilhelm Huth die Pfarrei übernahm, fand er die fast komplett eingerichtete Herz Jesu Kirche inklusive sechs neuer Glocken vor und am 29. November 1925 konnte am neuen Hochaltar das erste Messopfer dargebracht werden. Über dem Altartisch erhob sich der Tabernakel mit dem Aussetzungsthron in weißem Marmor, versehen mit einer geschmiedeten goldenen Kuppel. Dahinter stand auf einem Marmorsockel eine die Hände den Gläubigen entgegenstreckende Christusfigur. Altar und Figur wurden durch einen Aufbau von acht Marmorsäulen eingerahmt. Dazwischen standen sieben große dreiarmige Leuchter. Auf dem Gesimse waren sieben Engel angebracht.

Der Hochaltar

 

Die neuen Kirchenbänke wurden zu Weihnachten aufgestellt.

 

Im Sommer 1935 – Pfarrer Kampert war 1932 dem am Silvestertag 1931 verstorbenen Pfarrer Dr. Huth gefolgt -  wurde beschlossen, eine Taufkapelle einzurichten und zwar in der unteren Nische auf der sogenannten „Frauenseite“ (heute Sakramentskapelle). Sie sollte ein Gegenstück zur Krieger-Gedächtnis-Kapelle werden. Ebenso wurden drei Fenster mit Taufsymbolen in Auftrag gegeben. Am 27. Oktober 1935 (Christkönigsfest) konnte die Taufkapelle eingeweiht werden.

 

Im Mai 1937 wurden die noch fehlenden Fenster eingesetzt und die Kirche ausgemalt. Gleichzeitig wurde unter der Orgelempore ein neuer Kreuzweg angebracht. Der Altar wurde von dem erdrückenden allzu wuchtigen Aufsatz befreit. Ebenfalls wurden die Engel und die wuchtige Christusfigur vom Altar entfernt und im Querschiff links aufgestellt.

 

1942 und Anfang 1943 wurden durch mehrere schwerere Luftangriffe auf Oberhausen am Kirchengebäude große Schäden angerichtet, die nur teilweise repariert wurden konnten. In der Nacht zum Osterdienstag 1943 wurde die Herz Jesu Kirche durch Phosphor-Kanister so stark zerstört, dass das Gebäude nicht mehr benutzt werden konnte.

Nach dem schweren Bombenangriff 1943

 

Der Gottesdienst musste ab sofort bis Ende 1948 im notdürftig reparierten Kolpinghaus gefeiert werden.

 

Im März 1948 wurde mit dem Wiederaufbau der bis auf die Grundmauern zerstörten Pfarrkirche begonnen. Trotz der vielen Probleme, wie die Beschaffung von Baumaterialien, Eisenträger und Baugerüsten, ging es mit den Aufbauarbeiten langsam voran. Aufgabe der Gemeinde war es, für den Einsatz von Tag- und Nachtwachen auf der Baustelle und für die Verpflegung der Bauarbeiter zu sorgen. Nach der Währungsreform

(20. Juni 1948) war das Geld mehr als knapp. Durch die Gründung eines Bauvereins; hier wurden durch eifrige Sammler monatlich in der Pfarrei Spendengelder eingesammelt; und zusätzliche Spendengelder konnte der Wiederaufbau langsam aber kontinuierlich fortgesetzt werden.

Am 16. Oktober 1948 konnte Richtfest gefeiert werden. Im November und Dezember wurden die Erneuerungsarbeiten im Inneren soweit abgeschlossen, dass mit einem provisorischen Altar und einem

9 m hohem Kreuz Weihnachten in der Kirche gefeiert werden konnte. Am 4. Adventssonntag (19. Dezember 1948) wurde in feierlicher Prozession in das neue Gotteshaus eingezogen.

Die Herz Jesu Kirche 1948/1949

 

Die nach St. Marien und nach Sterkrade ausgeliehenen Kirchenbänke wurden wieder zurückgeholt, die Beleuchtung war zweckmäßig und der Fußboden provisorisch geebnet. Auf der Orgelempore stand das Harmonium aus der Notkapelle. Die Mitternachtsmette füllte die Kirche bis auf den letzten Platz.

Allgemein findet die Kirche, obgleich sie noch ohne Heizung ist, Anklang. Im Januar 1949 beschloss der KV die Anlage einer Heizung, eines Holzfußbodens unter den Bänken und einer Teilorgel (15 Register). Große Sorge bereitete der Kirchturm, der durch Verwitterung und Kriegseinflüsse bedenkliche Schäden aufwies. Im Frühjahr 1949 begannen die Vorbereitungen für die neue Heizung, die im Herbst fertiggestellt wurde und die weitere Innenrenovierung. Im Oktober wurde die neue Teilorgel von der Fa. Seifert, Kevelaer, eingebaut. Das Weihnachtsfest 1949 konnte nach langer Zeit wieder feierlich mit Pfeifenorgelklang begangen werden.

 

Ende Oktober 1951 wurden am Christkönigsfest ein neuer Altar mit Tabernakel feierlich eingeweiht. Als Ersatz für den 1950 aufgelösten Bauverein wurde 1951 ein Pfarrverein Herz Jesu gegründet, der u.a. mit seinen Beiträgen weitere Mittel für die Ausgestaltung der noch sehr nüchternen und kahlen Kirche zur Verfügung stellen sollte.

Am 5. März 1955 kam von der Erzbischöflichen Behörde in Köln die finanzielle Zusage für die Wiedererrichtung des Kirchendaches und die Erneuerung des Turmes. Aus Kostengründen wurde die Errichtung eines hohen und spitzen Turmes abgelehnt. Mit den Bauarbeiten wurde im Juni 1955 begonnen. Für den gesamten Erneuerungsbau wurde am 3. Oktober 1955 das Richtfest gefeiert und ein neuer Kupferhahn als Symbol der Wachsamkeit und Bereitschaft schmückt seitdem das Dach des Kirchturms.

 

Im April 1957 wurden der Chor und die Seitenkapellen mit Juramarmor ausgelegt und gleichzeitig aus demselben Material ein neuer Altar, die Kanzel und Kommunionbänke eingebaut. Mit diesen Bauarbeiten, die sich über mehrere Monate erstreckten, ist der Wiederaufbau abgeschlossen worden. Die Pläne für die Umgestaltung stammen von dem sehr bekannten Kirchenbauer Prof. Dominikus Böhm. Am 21. Juli 1957 wurde der neue Hochaltar durch Kardinal Frings geweiht.

 

Zwei Chorfenster – das Weihnachts- und das Osterfenster - sind 1959 eingesetzt worden und das noch fehlende dritte Chorfenster (Pfingstgeheimnis) konnte dank vieler Spenden Mitte Mai 1962 eingebaut werden. Es fügt sich harmonisch in das Ganze des Chorraumes ein.

 

Im April 1969 begann die Außenrenovierung und -sanierung unseres Kirchengebäudes. Mittlerweile war Pfarrer Alfons Karl dem im Jahr 1965 i nden Ruhestand gegangenen Pfarrer Kampert im Amt nachgefolgt. Kriegsschäden und Verwitterungen durch Wind, Wetter und besonders die aggressive Industrieluft mussten aus Sicherheits-gründen und zum Erhalt der Gebäudesubstanz saniert werden. Zum Jahresende konnten die Fassadenbehandlung des Langhauses und die Restaurierung des Turmes abgeschlossen werden.

Durch die vielen Opferkerzen, die täglich brennen, und die in Oberhausen nicht gerade saubere Industrieluft musste ab August 1975 der Innenraum

der Kirche neu ausgemalt werden. Diese Arbeiten wurden zum 3. Advent beendet und so konnte Weihnachten in einer strahlenden Kirche gefeiert werden.

1985 wurde vom Rat der Gemeinde Oberhausen der Antrag gestellt, die Herz Jesu Kirche unter Denkmalschutz zu stellen. Diesem Antrag wurde statt gegeben und zu Ostern 1986 von der Stadt Oberhausen bestätigt. Dies freute besonders den seit März 1980 tätigen Pfarrer Günter Reinbach, der Nachfolger des im November 1979 verstorbenen Pfarrers Karl wurde.

 

Im Frühjahr 1989 musste die alte und marode Koksheizung durch eine neue Heizung ersetzt werden. Man entschloss sich, die neue Heizung an das städtische Fernheizungsnetz anzuschließen.

 

1990 war für den Innenraum unserer Herz Jesu Kirche ein bedeutendes Jahr. Der KV hatte die Anschaffung einer neuen Orgel beschlossen, da eine Generalüberholung der unfertigen Nachkriegsorgel mind. DM 400.000 gekostet hätte, wobei die Hauptmängel nicht beseitigt gewesen wären und die Orgel weiterhin unvollendet geblieben wäre. Ende Januar wurde mit dem Abbau der Orgel begonnen, um danach von einer Fachfirma an der Brüstung der Orgelbühne die alten Steinmetzarbeiten wieder herstellen zu lassen.

Nach Pfingsten wurde die Kirche geschlossen, eingerüstet generalüberholt und neu ausgemalt. Am 16. August 1990 konnte die in frischen Farben erstrahlende Kirche wieder für den Gottesdienst eröffnet werden. Am

3. Adventssonntag 1990 wurde die neue Orgel in einem feierlichen Amt von Weihbischof Große eingeweiht werden.

Die "Heintz"-Orgel

Dieses ist, ziemlich gekürzt, der Lebenslauf unsere Herz Jesu Kirche. Weitere große Veränderungen hat es bis zu heutigen Tag nicht gegeben und sie finden heute noch die Kirche so vor, wie sie Ende 1990 ausgesehen hat. Im Herbst 2010 wurden die Ende der fünfziger Jahre angeschafften Lampen in der Kirche durch eine neue, auch energiesparende und lichteffizientere Beleuchtung ersetzt zum Ende der nur gut vierjährigen Amtszeit von Pfarrer Dr. Michael Dörnemann.

Der nächste Anstrich im Innenraum der Kirche ist sicherlich bald angebracht. Vorher müssen jedoch noch die Fenster im Chorraum der Kirche neu abgedichtet und verfugt werden.

 

Wünschen wir unserer Kirche viele andächtige Besucher, eine aktive Gemeinde, weiterhin gute Pfarrer und noch viele gute Jahre!

 

Die Herz Jesu Kirche 2007

September 2010

 

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